
Kaffee und vegetarische Ernährung: entscheidend ist das Eisen
Eine Tasse Kaffee zur Mahlzeit senkt die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen um 39 Prozent. Diese Zahl stammt aus einer Doppelisotopenstudie im American Journal of Clinical Nutrition von 1983, und sie beschreibt die einzige Kaffeewirkung, die Vegetarierinnen und Vegetarier spezifisch betrifft. Die vielzitierte Magensäure wiegt dagegen weit weniger schwer als ihr Ruf.
Kaffee hemmt pflanzliches Eisen, und zwar messbar
Die Referenzstudie gab Personen mit normalem Eisenstatus Kaffee zu Mahlzeiten, die mit zwei verschiedenen Isotopen markiert waren. So lässt sich die tatsächliche Aufnahme messen statt sie abzuleiten. Die Ergebnisse sind konkret.
Eine Tasse Kaffee zur Mahlzeit senkte die Eisenaufnahme um 39 Prozent gegenüber derselben Mahlzeit ohne Kaffee. Tee, als starker Hemmstoff bekannt, kam auf 64 Prozent. Bei einer Mahlzeit aus halbgereinigten Zutaten fiel die Aufnahme von 5,88 auf 1,64 Prozent mit Filterkaffee und auf 0,97 Prozent mit löslichem Kaffee. Wurde der lösliche Kaffee doppelt so stark zubereitet, sank sie auf 0,53 Prozent.
Praktisch am wichtigsten ist der Zeitpunkt. Eine Stunde vor der Mahlzeit getrunken, zeigte Kaffee keinerlei Wirkung auf die Eisenaufnahme. Eine Stunde nach der Mahlzeit hemmte er dagegen genauso stark wie während des Essens. Die Wirkung hängt also davon ab, dass Kaffee und Eisen gleichzeitig im Verdauungstrakt sind, und sie reicht über das Ende der Mahlzeit hinaus.
Der Mechanismus läuft über Polyphenole, darunter die Chlorogensäuren des Kaffees, die mit Nicht-Häm-Eisen schwer aufnehmbare Komplexe bilden. Betroffen ist ausschliesslich pflanzliches Eisen, das bei rein pflanzlicher Ernährung das gesamte Nahrungseisen ausmacht und bei Menschen mit Milchprodukten und Eiern den weitaus grössten Teil.
Warum das bei vegetarischer Ernährung stärker wiegt
Pflanzliches Eisen ist nicht Fleischeisen. Häm-Eisen aus Fleisch wird in ziemlich konstanter Rate aufgenommen und reagiert kaum auf Hemmstoffe. Nicht-Häm-Eisen, also das Eisen aus Linsen, Haferflocken, Tofu oder Spinat, wird in stark schwankender Rate aufgenommen, abhängig davon, was sonst auf dem Teller und in der Tasse ist.
Ein gerechnetes Beispiel aus der Schweizer Nährwertdatenbank. Eine Mahlzeit aus 60 g trockenen roten Linsen, 60 g trockenem Parboiled-Reis, 100 g roher roter Peperoni und einer Zwiebel liefert 4,0 mg Eisen und 154 mg Vitamin C. Aus Eisensicht ist das eine gute Mahlzeit, denn das Vitamin C der Peperoni steigert die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen deutlich, und die Kombination aus Getreide und Hülsenfrucht trägt ebenfalls bei, wie unsere Seite zum Kombinieren von Getreide und Hülsenfrüchten erklärt. Der Kaffee zum Abschluss arbeitet genau dagegen.
Die Kaffeefrage stellt sich deshalb je nach Ernährung anders. Wer sein Eisen überwiegend aus rotem Fleisch bezieht, für den ist der Kaffee nach dem Essen eine Randnotiz. Wer es vollständig aus Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide bezieht, hat hier den einfachsten Hebel. Unsere Seite zur Aufnahme von pflanzlichem Eisen behandelt die weiteren Förderer und Hemmer.
Säure: was die Messungen wirklich zeigen
Der pH-Wert von Kaffee liegt bei etwa 5, auf der Skala also tatsächlich sauer. Der Magen arbeitet zwischen den Mahlzeiten jedoch bei einem pH-Wert von etwa 1,5 bis 3,5, also hundertfach saurer. Eine Flüssigkeit mit pH 5 in diese Umgebung zu giessen heisst, etwas deutlich weniger Saures hinzuzufügen als das, was ohnehin da ist.
Die gemessene Säure eines Kaffees hängt vor allem von seiner Säurezusammensetzung ab. Eine Studie in Food Chemistry von 2024 über acht verschiedene Extraktionsmethoden zeigte, dass die Chlorogensäuren pH-Wert und titrierbare Säure dominieren, während die im Mund wahrgenommene Säure eher mit der Konzentration organischer Säuren zusammenhängt. Was Sie als sauer schmecken und was das Messgerät als sauer erfasst, ist also nicht dasselbe.
Zur Röstung: Eine Studie in Scientific Reports von 2024 verfolgte die titrierbare Säure in einem kommerziellen 5-kg-Trommelröster. Sie erreicht ihr Maximum ausnahmslos beim ersten Crack und fällt danach bis zum zweiten Crack auf ihren Ausgangswert zurück. Dass eine dunkle Röstung weniger sauren Kaffee ergibt, stimmt in der Richtung, verläuft aber weniger geradlinig als meist erzählt.
Reflux: die Wirkung existiert, sie ist klein, und sie liegt woanders
Zum gastroösophagealen Reflux gibt es belastbare Daten, und sie stützen die übliche Empfehlung nicht.
Eine Metaanalyse in Clinical and Translational Gastroenterology von 2026, die 40 Studien mit 122 074 Patientinnen und Patienten zusammenfasst, davon 85 400 Kaffeetrinkende, fand Reflux bei 34,9 Prozent der Kaffeetrinkenden gegenüber 30,7 Prozent der Nichttrinkenden, ein Odds Ratio von 1,18 bei einem Konfidenzintervall von 1,03 bis 1,36. Der Zusammenhang ist statistisch signifikant, doch die Autoren schreiben selbst, das Ausmass sei von unklarer klinischer Bedeutung und der generelle Rat zum Kaffeeverzicht bei Reflux gehöre überprüft. Zum Barrett-Ösophagus fand sich kein Zusammenhang.
Eine randomisierte Crossover-Studie im European Journal of Gastroenterology & Hepatology von 1999 mass den Ösophagus-pH über 24 Stunden bei sieben Refluxpatienten und acht gesunden Kontrollpersonen und verglich 280 ml Filterkaffee mit 280 ml warmem Wasser. Kaffee hatte weder auf die postprandiale Refluxzeit noch auf die Zahl der Refluxepisoden einen Effekt, in keiner der beiden Gruppen. Der einzige gemessene Effekt betraf nüchtern getrunkenen Kaffee bei den Refluxpatienten, der den Anteil der sauren Refluxzeit erhöhte. Der Druck des unteren Ösophagussphinkters blieb unverändert.
Besonders aufschlussreich für Betroffene ist eine Doppelblindstudie in Alimentary Pharmacology & Therapeutics von 1997 mit siebzehn Refluxpatienten, die 300 ml normalen Kaffee mit 300 ml entkoffeiniertem Kaffee zu einem standardisierten Frühstück verglich. Der Anteil der Refluxzeit sank von median 17,9 auf 3,1 Prozent mit der entkoffeinierten Variante. In diesem Versuchsaufbau ist also das Koffein entscheidend, nicht die Säure.
Das ändert das Vorgehen vollständig. Wer Reflux hat und Kaffee schlecht verträgt, stellt mit einer dunkleren Röstung oder mit Cold Brew an der falschen Schraube. Entkoffeinierter Kaffee oder Kaffee zur Mahlzeit statt nüchtern ist das, worauf die Daten zeigen.
Die Geschichte vom Säure-Basen-Haushalt trägt nicht
Ein Punkt gehört klar ausgeräumt, weil er überall kursiert: sogenannte basische Lebensmittel neutralisieren die Kaffeesäure im Magen nicht und verändern den Blut-pH-Wert nicht.
Der arterielle Blut-pH wird von Puffersystemen, von der Atmung und von der Niere zwischen 7,35 und 7,45 gehalten. Diese Regelung hängt nicht vom Mittagsmenü ab. Ein dauerhaftes Abweichen aus diesem Bereich ist ein Krankheitsbild, kein Ernährungsergebnis. Spinat und Gurken sind aus anderen Gründen hervorragende Lebensmittel; den Magen puffern sie nicht.
Richtig ist dagegen, dass Essen im Magen verändert, wie Kaffee empfunden wird, schlicht durch Verdünnung und durch verlangsamte Magenentleerung. Kaffee zu etwas Sättigendem statt auf nüchternen Magen zu trinken ist ein vernünftiger Rat. Mit einem Säure-Basen-Haushalt hat er nur nichts zu tun.
Der Filter: die einzige Zubereitungsentscheidung mit gemessener Gesundheitswirkung
Wenn ein einziges Zubereitungsmerkmal Aufmerksamkeit verdient, dann weder Mahlgrad noch Wassertemperatur noch Ruhezeit, sondern der Papierfilter.
Kaffee enthält zwei Diterpene, Cafestol und Kahweol, die den Cholesterinspiegel erhöhen. Papier hält sie zurück, andere Methoden nicht. Eine Studie in Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases von 2025 mass ihre Konzentrationen in schwedischem Maschinenkaffee aus Betrieben und verglich sie mit hausgemachten Zubereitungen.
| Methode | Cafestol median | Kahweol median |
|---|---|---|
| Papiergefiltert, hausgemacht | 12 mg/l | 8 mg/l |
| Maschinen mit Flüssigkonzentrat | 8 mg/l | 7 mg/l |
| Brühmaschinen am Arbeitsplatz | 176 mg/l | 142 mg/l |
| Gekochter Kaffee | 939 mg/l | 678 mg/l |
| Gekochter Kaffee durch einen Stofffilter | 28 mg/l | 21 mg/l |
Französische Pressstempelkannen und Perkolatoren lagen bei rund 90 mg/l Cafestol und 70 mg/l Kahweol. Einzelne Espressoproben erreichten 2447 mg/l Cafestol. Das Fazit der Autoren ist deutlich: unzureichend gefilterter Kaffee während der Arbeitszeit könnte ein übersehener Faktor für die Herz-Kreislauf-Gesundheit sein.
Der Abstand zwischen 12 und 939 mg/l entspricht dem Faktor siebzig. Keine andere Zubereitungsentscheidung hat Folgen in dieser Grössenordnung. Und dieselbe Studie zeigt, dass schon ein Stofffilter den grössten Teil des Problems löst, von 939 auf 28 mg/l.
Wie viel Koffein, und ab wann
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2015 eine wissenschaftliche Stellungnahme zur Koffeinsicherheit veröffentlicht. Die Eckwerte sind eindeutig.
Einzeldosen bis 200 mg, also rund 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht bei einer erwachsenen Person von 70 kg, geben bei Gesunden keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken. Tageszufuhren aus allen Quellen bis 400 mg, etwa 5,7 mg pro Kilogramm, sind für die erwachsene Allgemeinbevölkerung unbedenklich, ausgenommen Schwangere. Für diese gilt ein Wert von 200 mg pro Tag aus allen Quellen. Für Kinder und Jugendliche zieht die Stellungnahme 3 mg pro Kilogramm und Tag als Grundlage heran.
Zwei Hinweise zählen in der Praxis. Erstens spricht die Stellungnahme von allen Quellen: Tee, dunkle Schokolade, Colagetränke und Energydrinks addieren sich zum Kaffee. Zweitens entsprechen 400 mg grob vier Tassen Filterkaffee oder fünf bis sechs Espressi, doch die Schwankung zwischen Bohnen, Dosierungen und Methoden ist so gross, dass eine genaue Rechnung pro Tasse wenig aussagt.
Was von den üblichen Ratschlägen bleibt und was fällt
Gültig bleibt: bei Refluxneigung Kaffee zum Essen statt nüchtern trinken, denn die Studie von 1999 fand den Effekt genau in der Nüchternsituation; über Papier filtern, wenn Cholesterin ein Thema ist; bei Refluxbeschwerden das Koffein statt der Säure reduzieren; die Eckwerte von 400 mg täglich und 200 mg in der Schwangerschaft einhalten.
Der Prüfung nicht stand hält: die Vorstellung, Kaffee störe einen körperlichen Säure-Basen-Haushalt; die Annahme, eine ballaststoffreiche Ernährung beschleunige die Passage so weit, dass sich die Wirkung der Kaffeesäure ändere; der Rat, den Kaffee ruhen zu lassen, da organische Säuren aus einer Tasse auf dem Tisch nicht verdunsten; und die Behauptung, Zimt mildere die Säure, die ohne jede Messung kursiert.
Der Wechsel zu Cold Brew ist vielschichtiger als er wirkt. Die kalte Extraktion ergibt tatsächlich einen weniger bitteren, oft als weicher empfundenen Kaffee, was ein legitimes geschmackliches Argument ist. Liegt das Problem aber beim Reflux, ist das Koffein das Ziel, und ein konzentrierter Cold Brew enthält davon ebenso viel wie Filterkaffee oder mehr.
Die eigentliche Frage: wann trinken
Für vegetarisch Essende zählt die Tagesordnung mehr als die Bohnenwahl. Die Regel folgt direkt aus der Eisenstudie von 1983.
Kaffee eine Stunde vor der Mahlzeit zeigte keine Wirkung auf die Eisenaufnahme. Kaffee während oder eine Stunde nach der Mahlzeit hemmte. Zu schützen ist also das Zeitfenster rund um eisenreiche Mahlzeiten, nicht der ganze Tag.
Praktisch ergibt das ein einfaches Muster. Der Morgenkaffee passt gut vor oder zu einem eisenarmen Frühstück oder deutlich abseits des Mittagessens. Der Kaffee nach dem Essen, die verbreitetste Gewohnheit überhaupt, kostet beim Eisen am meisten: ihn um ein bis zwei Stunden zu verschieben genügt nicht, denn die nach einer Stunde gemessene Hemmung entsprach jener während der Mahlzeit.
Wenn Sie nur eine Gewohnheit ändern, dann diese: den Mittagskaffee am Nachmittag trinken, weit weg von der nächsten Mahlzeit. Es ist der einzige Gewinn in diesem Text, der auf einer direkten Messung am Menschen beruht.
Eisen auf dem Teller stärken
Kaffee ist nur einer der Faktoren. In vegetarischer Ernährung wirken zwei Hebel in die Gegenrichtung.
Vitamin C in derselben Mahlzeit steigert die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen deutlich. Die Zahlen der Schweizer Datenbank sprechen für sich: 100 g rohe rote Peperoni liefern 149 mg Vitamin C, 100 g Orangensaft dagegen 37 mg. Eine halbe rohe Peperoni im Linsensalat bringt mehr als ein Glas Saft.
Einweichen und Keimen senken den Phytatgehalt von Hülsenfrüchten, den anderen grossen Hemmstoff für pflanzliches Eisen. Unsere Seite zum Einweichen und Keimen von Hülsenfrüchten nennt Methode und Dauer, und die Seite zur Optimierung der Eisenaufnahme sammelt die Handgriffe, die zur Mahlzeit zählen.
Im Übrigen gelingt die Bedarfsdeckung über die Vielfalt der Quellen, ausgeführt in unserem Leitfaden zu pflanzlichen Proteinen und auf der Seite mit Tipps zur Eisenaufnahme.
Der Kaffee selbst, ernährungsphysiologisch
Eine Tasse schwarzer Kaffee ohne Zucker liefert laut Schweizer Nährwertdatenbank 2 kcal pro 100 g, dazu 26 mg Kalium und Spuren von Magnesium und Calcium. Ernährungsphysiologisch ist das vernachlässigbar, und das ist eine gute Nachricht: Kaffee verdrängt nichts auf dem Speiseplan.
Ein Pflanzendrink verschiebt die Rechnung nur wenig. Ungesüsster Milchkaffee kommt auf 20 kcal pro 100 g, ungesüsster Espresso crème auf 28 kcal. Das eigentliche Thema liegt woanders: Nutzen Sie einen Pflanzendrink, hängt dessen Calciumgehalt vollständig von der Anreicherung ab. Ein angereicherter Sojadrink nature liefert 120 mg Calcium pro 100 g, derselbe Drink ohne Anreicherung 12 mg. Wo diese Angabe steht, erklärt unsere Seite zum Lesen des Lebensmitteletiketts; wer ganz ohne Milchprodukte auskommt, findet die Tagesmengen auf der Seite zu Calcium und Magnesium ohne Milchprodukte.
Beim Zucker ordnen die Schweizer Ernährungsempfehlungen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen gesüsste Getränke der Kategorie zu, von der höchstens eine Portion pro Tag vorgesehen ist. Zwei gesüsste Kaffees täglich zählen dort mit, ohne dass es jemand mitrechnet. Dieselben Empfehlungen nennen 1 bis 2 Liter ungesüsste Getränke pro Tag, behandelt auf unserer Seite zum richtigen Trinken über vierundzwanzig Stunden.
Kaffee, Sport und Eisen bei vegetarischer Ernährung
Bei sportlich aktiven Menschen überlagern sich zwei Dinge, die in Ratgebern selten zusammen auftauchen. Koffein wird verbreitet als Leistungsmittel vor dem Training genommen, und ausgerechnet Ausdauersport gehört zu den Situationen, in denen der Eisenbedarf steigt und der Eisenstatus häufiger tief liegt.
Aus den Daten der Studie von 1983 folgt daraus kein Verzicht, sondern eine Reihenfolge. Der Kaffee vor dem Training liegt meist ohnehin abseits der Hauptmahlzeiten und fällt damit in das Zeitfenster, in dem keine Hemmung gemessen wurde. Problematisch wird eher die Tasse, die direkt nach dem Wettkampf zur Erholungsmahlzeit getrunken wird, also genau dann, wenn eine eisenreiche Mahlzeit ansteht.
Wer regelmässig trainiert und sich vegetarisch ernährt, findet die weiteren Punkte auf unseren Seiten zu Kaffee und Sporternährung und zur vegetarischen Ernährung im Ausdauersport. Die Selbsteinschätzung eines Mangels ersetzt dabei keine Blutwerte; was dabei sinnvoll ist und was nicht, behandelt die Seite zur Selbstdiagnose von Nährstoffmängeln.
Einkauf und Zubereitung in der Schweiz
Ein praktischer Teil, den die meisten Ratgeber auslassen: In der Schweiz wird Kaffee überwiegend als Espresso oder aus der Kapsel zubereitet, also ohne Papierfilter. Wer die Diterpene senken will, hat mehrere Wege, die sich im Alltag unterschiedlich gut halten.
Ein Papierfilter auf der Kanne oder ein Handfilter ist die direkteste Lösung und kostet wenig. Für Pressstempelkannen genügt es bereits, den fertigen Kaffee zusätzlich durch einen Papierfilter zu giessen; die schwedische Messung zeigt für gekochten Kaffee durch einen Stofffilter einen Rückgang von 939 auf 28 mg/l. Bei Kapselmaschinen variiert der Gehalt je nach System und lässt sich zu Hause nicht prüfen, weshalb hier die Menge das einzig steuerbare Element bleibt.
Beim Einkauf von Pflanzendrinks für den Kaffee lohnt der Blick auf die Zutatenliste. Ein mit Calcium angereicherter Sojadrink liefert 120 mg Calcium pro 100 g, derselbe Drink ohne Anreicherung 12 mg. Der Unterschied steht klein auf der Rückseite und entscheidet über zehnfach abweichende Werte. Hafer-, Mandel- und Reisdrinks enthalten von Natur aus wenig Protein; für den Kaffee spielt das keine Rolle, für die Tagesbilanz schon.
Häufige Fehler
Wegen Reflux einen säureärmeren Kaffee suchen. Die Entkoffeinierungsstudie von 1997 zeigt, dass das Koffein die entscheidende Grösse ist, nicht die Säure.
Kaffee direkt nach dem Essen trinken in der Annahme, Nahrung schütze. Sie schützt vor der empfundenen Reizung, nicht vor der Eisenhemmung: eine Stunde nach der Mahlzeit entsprach diese dem Wert während des Essens.
Auf basische Lebensmittel setzen. Der Blut-pH hängt nicht vom Menü ab, und nichts, was Sie essen, puffert den Magen in dem Sinn, den solche Ratschläge unterstellen.
Maschinenkaffee aus dem Betrieb für Filterkaffee halten. Die schwedischen Messungen ergeben 176 mg/l Cafestol für Brühmaschinen gegenüber 12 mg/l für hausgemachten Papierfilterkaffee.
Die Dosis löslichen Kaffees verdoppeln. In der Studie von 1983 war genau das die Änderung, die die Eisenaufnahme unter 1 Prozent drückte, auf 0,53 Prozent.
Für das Koffein nur die Kaffeetassen zählen. Die EFSA-Stellungnahme rechnet über alle Quellen, Tee, Schokolade und Energydrinks eingeschlossen.
Anpassung an unterschiedliche Situationen
Bei nachgewiesenem Eisenmangel oder tiefem Ferritin wird der Abstand zwischen Mahlzeit und Kaffee zu einer konkreten Massnahme, die zusammen mit einer allfälligen Supplementierung mit der betreuenden Fachperson zu besprechen ist.
In der Schwangerschaft kommen zwei Vorgaben zusammen: die EFSA-Grenze von 200 mg Koffein pro Tag und ein deutlich erhöhter Eisenbedarf. Hier bringt das Verschieben des Kaffees am meisten.
Bei starker Menstruation sind die Eisenverluste höher, und dieselbe Logik gilt.
Bei Refluxneigung ist der Versuch mit entkoffeiniertem Kaffee angezeigt, nicht mit dunklerer Röstung, und Kaffee zu Tisch statt nüchtern.
Bei Jugendlichen zieht die EFSA 3 mg pro Kilogramm und Tag heran, also rund 150 mg bei 50 kg Körpergewicht, Energydrinks eingerechnet.
Wenn Ihr Cholesterin kontrolliert wird, ist der Wechsel von gekochtem Kaffee, Pressstempelkanne oder Betriebsmaschine zum Papierfilter die wirksamste Änderung, die Ihnen offensteht.
Grenzen dieser Daten
Die Doppelisotopenstudie von 1983 umfasst kleine Teilnehmerzahlen mit normalem Eisenstatus und misst die Aufnahme aus einer bestimmten Mahlzeit, nicht den Eisenstatus über Monate. Richtung und Grössenordnung sind belastbar; die Hochrechnung auf einen vorhersagbaren Mangel bei einer einzelnen Person ist es nicht.
Die Refluxmetaanalyse von 2026 fasst Beobachtungsstudien mit hoher Heterogenität zusammen, ablesbar am I² von 89,38. Ihre Autoren bleiben bei der klinischen Reichweite eines Odds Ratio von 1,18 zurückhaltend.
Die Refluxstudien von 1997 und 1999 umfassen siebzehn und fünfzehn Teilnehmende. Es sind sorgfältige pH-Messprotokolle, aber kleine.
Die Cafestolmessungen stammen aus einer schwedischen Stichprobe von Betriebsmaschinen: Die absoluten Werte hängen von Gerät und lokalen Gewohnheiten ab, robust ist der Unterschied zwischen gefiltert und ungefiltert.
Die Werte der Schweizer Nährwertdatenbank sind generische Mittelwerte. Eine reale Packung Linsen oder ein realer Pflanzendrink weichen davon ab, und die Calciumanreicherung unterscheidet sich je nach Marke.
Häufige Fragen
Hemmt auch entkoffeinierter Kaffee das Eisen? Ja. Die Hemmung läuft über Polyphenole, die im entkoffeinierten Kaffee ebenso vorkommen wie im normalen. Die Entkoffeinierung löst das Refluxthema, nicht das Eisenthema.
Ist Tee schlimmer als Kaffee? In der Studie von 1983 ja: 64 Prozent Reduktion bei Tee gegenüber 39 Prozent bei Kaffee, bei derselben Mahlzeit.
Wie lange soll man nach dem Essen warten? Die Studie fand eine Stunde nach der Mahlzeit dieselbe Hemmung. Länger zu warten ist deshalb nötig, und Kaffee vor der Mahlzeit ist die als neutral belegte Variante.
Ändert Pflanzendrink im Kaffee etwas am Eisen? Nichts deutet darauf hin, dass er die Polyphenolwirkung aufhebt. Calcium in grösserer Menge hemmt Nicht-Häm-Eisen selbst leicht, ein angereicherter Drink hilft an diesem Punkt also nicht.
Ist Espresso weniger problematisch, weil er klein ist? Beim Eisen zählt die aufgenommene Polyphenolmenge, die in 30 ml kleiner ist als in 200 ml. Beim Cafestol mass die schwedische Studie Espressoproben bis 2447 mg/l, Espresso ist also kein gefilterter Kaffee.
Ist Cold Brew magenfreundlicher? Er wird oft als weicher empfunden. Die Refluxstudien haben Cold Brew nicht geprüft, und die dort identifizierte Grösse ist das Koffein, das ein konzentrierter Cold Brew reichlich enthält.
Sollten Vegetarier auf Kaffee verzichten? Nichts in diesen Daten rechtfertigt das. Die Tassen von eisenreichen Mahlzeiten wegzurücken beseitigt den grössten Teil des belegten Nachteils.
Hemmt schwächerer Kaffee weniger? Ja, die Wirkung ist konzentrationsabhängig: In der Studie von 1983 senkte eine doppelte Stärke des löslichen Kaffees die Eisenaufnahme weiter.
Quellen
- Morck T.A., Lynch S.R., Cook J.D., Inhibition of food iron absorption by coffee, American Journal of Clinical Nutrition, 1983 (PMID 6402915)
- Association of coffee intake with risk of gastroesophageal reflux disease and complications: a systematic review and meta-analysis, Clinical and Translational Gastroenterology, 2026 (PMID 41677121)
- Pehl C. et al., Effect of coffee on gastro-oesophageal reflux in patients with reflux disease and healthy controls, European Journal of Gastroenterology & Hepatology, 1999 (PMID 10563539)
- Pehl C. et al., The effect of decaffeination of coffee on gastro-oesophageal reflux in patients with reflux disease, Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 1997 (PMID 9218070)
- Cafestol and kahweol concentrations in workplace machine coffee compared with conventional brewing methods, Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases, 2025 (PMID 40089392)
- Comprehensive investigation of coffee acidity on eight different brewing methods, Food Chemistry, 2024 (PMID 38810441)
- The effect of roast profiles on the dynamics of titratable acidity during coffee roasting, Scientific Reports, 2024 (PMID 38589450)
- EFSA, Wissenschaftliche Stellungnahme zur Sicherheit von Koffein, 2015 (200 mg pro Einzeldosis, 400 mg pro Tag, 200 mg in der Schwangerschaft)
- BLV, Schweizer Ernährungsempfehlungen für Erwachsene
- Schweizer Nährwertdatenbank
- Weltgesundheitsorganisation, Merkblatt gesunde Ernährung