Zusatzstoffe in industriellen pflanzlichen Milchsorten entschlüsseln


Die Zutatenliste, die auf einer Packung Haferdrink beunruhigt, ist fast immer der unwichtigste Teil der Etikette. Eine 2026 in Clinical Gastroenterology and Hepatology publizierte randomisierte kontrollierte Studie gab gesunden Erwachsenen vier Wochen lang entweder Carboxymethylcellulose, Polysorbat 80, Carrageen, Sojalecithin, native Reisstärke oder nichts. Keine Wirkung auf fäkales Calprotectin, CRP, das Lipopolysaccharid-bindende Protein im Serum, das Cholesterin oder die übrigen Stoffwechselmarker.

Zugleich kann dieselbe Packung fünfundzwanzigmal weniger Jod enthalten als ein Glas Milch, und diese Zahl steht nirgends auf der Verpackung.

Was die Nährwerttabelle sagt und was sie verschweigt

Hier die Werte der Schweizer Nährwertdatenbank des BLV, umgerechnet auf ein Glas von 2 dl. Die Jodspalte findet sich in Vergleichen so gut wie nie.

Getränk, Glas 2 dlkcalProtein gZucker gCalcium mgVitamin B12 µgJod µg
Vollmilch UHT1366,49,22400,3219,0
Halbentrahmte Milch 1,5 % UHT926,49,62400,5020,0
Soja, nature807,22,82402,6
Soja, angereichert807,22,82400,562,6
Hafer, nature941,07,2200,8
Hafer, angereichert961,07,22200,5016,6
Mandel, nature662,22,62400,8
Mandel, angereichert662,22,62200,720,8
Reis, nature1080,45,61001,0
Reis, angereichert1080,45,622004,2
Soja, Schokolade1527,616,63002,6

Drei Dinge fallen auf. Erstens funktioniert die Anreicherung beim Calcium bemerkenswert gut: Ein angereicherter Soja- oder Haferdrink liefert 220 bis 240 mg pro Glas, also 27,5 bis 30 % des Schweizer Nährwertbezugswerts von 800 mg, genau wie Milch. Dasselbe Produkt ohne Anreicherung liefert 2 bis 24 mg. Das ist ein Faktor zehn bis hundert, und der einzige Unterschied zwischen den beiden Packungen ist eine Zeile in der Zutatenliste.

Zweitens folgt das Protein der Anreicherung überhaupt nicht. Soja liefert 7,2 g pro Glas, mehr als die 6,4 g der Milch. Hafer liefert 1,0 g und Reis 0,4 g, also sechs- bis sechzehnmal weniger. Kein Zusatzstoff korrigiert das, weil es keine Frage der Zusatzstoffe ist, sondern des Rohstoffs.

Drittens das Jod. Angereicherter Soja enthält 2,6 µg pro Glas gegenüber 20 µg bei halbentrahmter Milch, also fast achtmal weniger. Angereicherte Mandel enthält 0,8 µg, fünfundzwanzigmal weniger. Angereicherter Hafer schneidet mit 16,6 µg besser ab. Die Anreicherung bringt Calcium, B12, Vitamin D und Riboflavin zurück, Jod aber nicht zuverlässig, und nichts auf der Verpackung weist darauf hin. Das BLV finanziert eigene Forschungsprojekte zum Beitrag von Milch und Milchprodukten zur Jodversorgung der Bevölkerung, was zeigt, welches Gewicht diese Quelle hat.

Was die klinische Studie von 2026 tatsächlich gemessen hat

Die Studie in Clinical Gastroenterology and Hepatology verdient eine genaue Beschreibung, weil sie als erste mehrere Emulgatoren beim Menschen in einem kontrollierten Protokoll prüft.

Sechzig gesunde Teilnehmende folgten zunächst zwei Wochen lang einer emulgatorfreien Ernährung. Danach wurden sie doppelblind für vier weitere Wochen randomisiert, mit Zugabe von Carboxymethylcellulose, Polysorbat 80, Carrageen, Sojalecithin, nativer Reisstärke oder keinem Zusatzstoff, alles verabreicht über Brownies.

Die Ergebnisse weisen in mehrere Richtungen. Nach den zwei Wochen emulgatorfreier Ernährung sank das Cholesterin (P = ,00006). Unter Supplementierung blieb die Alpha-Diversität des Mikrobioms stabil, die mikrobielle Zusammensetzung wurde jedoch durch die Behandlung beeinflusst. Die Konzentrationen aller kurzkettigen Fettsäuren waren bei jenen tiefer, die Carboxymethylcellulose konsumierten, ein Muster, das sich bei den anderen Emulgatoren wiederholte, ohne stets Signifikanz zu erreichen. Bei jenen, die Carrageen konsumierten, stieg die transzelluläre Darmpermeabilität gegenüber dem Ausgangswert (P = ,04).

Demgegenüber zeigten sich am Ende der Intervention keine Unterschiede zwischen Placebo und Emulgatoren bei fäkalem Calprotectin, CRP, dem Lipopolysaccharid-bindenden Protein im Serum, dem Cholesterin oder anderen Stoffwechselmarkern. Die entzündlichen und kardiometabolischen Proteine im Serum blieben unverändert.

Die Autorinnen und Autoren bezeichnen ihre Studie selbst als explorativ. Ihr Fazit ist zurückhaltend: Die Emulgatorgabe senkte die kurzkettigen Fettsäuren gegenüber Placebo, ohne Darm- oder systemische Entzündung oder Stoffwechselendpunkte zu beeinflussen, und diese Ergebnisse deuten auf einen möglichen Nutzen einer Begrenzung von Emulgatoren hin, was weiterer Untersuchung bedarf.

Das ist differenzierter als die beiden kursierenden Erzählungen. Die Zusatzstoffe sind nicht inert: Sie verändern die Zusammensetzung des Mikrobioms und senken die kurzkettigen Fettsäuren, das nützliche Produkt der Faserfermentation. Und sie lösen ebenso wenig die angekündigte Darmentzündung aus, jedenfalls nicht bei gesunden Erwachsenen in vier Wochen.

Carrageen, der Sonderfall

Carrageen (E407) ist der einzige Zusatzstoff dieser Liste, für den aus der Studie ein spezifisches Signal hervorging: ein Anstieg der transzellulären Darmpermeabilität gegenüber dem Ausgangswert, mit einem P von ,04.

Eine 2026 in Annals of Nutrition and Metabolism erschienene umfassende Übersicht ordnet das ein. Carrageen ist ein sulfatiertes Polysaccharid aus Rotalgen. Die Datenlage ist widersprüchlich: Einige Studien berichten antioxidative, antivirale, antitumorale und immunmodulierende Wirkungen, andere legen einen gestörten Glukosestoffwechsel, Darmentzündung und Immundysregulation nahe. Die Autorinnen und Autoren schliessen, dass diese Wirkungen von Carrageentyp, Molekulargewicht, Reinheit, Dosis und personenbezogenen Faktoren abhängen und dass Carrageen nicht einheitlich als nützlich oder schädlich eingestuft werden kann. Sie halten fest, dass FDA und EFSA es allgemein als sicher betrachten, mit fortbestehenden Vorbehalten bei Säuglingsnahrung und Langzeitexposition.

Eine 2026 in Clinical and Experimental Allergy publizierte Arbeit prüfte die drei Formen Kappa, Iota und Lambda an Darmepithelzellen und an einem Gut-on-a-Chip-Modell. Alle drei zeigten dosisabhängige Zytotoxizität, wobei Lambda-Carrageen bei vergleichsweise tieferen Dosen die stärkste Wirkung entfaltete. Es handelt sich um Zellkulturen, nicht um Menschen, und die Dosis zählt. Es passt aber zum einzigen Humanergebnis der randomisierten Studie.

Meine Lesart: Wer einen einzigen Zusatzstoff aus dem Einkaufskorb streichen will, streicht diesen und nicht die Pflanzengummis. Der Schritt ist einfach, kostet ernährungsphysiologisch nichts, und carrageenfreie Produkte gibt es in praktisch jeder Sortimentslinie. Ein gesundheitlicher Notfall ist es deswegen nicht.

Die Gummis: was sie sind, was sie tun

Verdickungsmittel beunruhigen am meisten und sind zugleich am besten verstanden.

Guarkernmehl (E412) stammt aus dem Samen von Cyamopsis tetragonoloba, Johannisbrotkernmehl (E410) aus den Samen des Johannisbrotbaums, Xanthan (E415) aus einer bakteriellen Fermentation und Gellan (E418) ebenfalls aus einer Fermentation. Es sind Polysaccharide, chemisch gesehen also lösliche Nahrungsfasern. Sie werden im Dünndarm nicht verdaut und vom Dickdarmmikrobiom teilweise fermentiert.

Ihre technische Aufgabe ist einfach: Teilchen in Schwebe halten, die sonst absinken würden. Gellan begegnet einem am häufigsten in Hafer- und Mandeldrinks, in sehr geringen Dosen, typischerweise in der Grössenordnung von 0,01 bis 0,05 %, weil es schon bei minimaler Konzentration ein Netzwerk bildet. Ohne Gellan müsste die Packung geschüttelt werden, und das zugesetzte Calcium würde sich am Boden absetzen, womit die Anreicherung von Glas zu Glas ungleich ausfiele.

Genau das übersehen Zusatzstofflisten: In einem angereicherten Getränk ist das Verdickungsmittel kein kosmetischer Kunstgriff, sondern das, was dafür sorgt, dass die angegebenen 220 mg Calcium tatsächlich im Glas landen und nicht im Boden der Packung.

Eine 2026 in Nutrients publizierte In-vitro-Studie prüfte zwölf Lebensmittelzusatzstoffe, darunter Xanthan und Kappa-Carrageen, an Stuhlfermentationen von sechs Erwachsenen mit Morbus Crohn in Remission und sechs gesunden Kontrollen. Solche Arbeiten messen die Faserfermentationskapazität und die Bildung kurzkettiger Fettsäuren ausserhalb des menschlichen Körpers. Das taugt zur Priorisierung von Hypothesen, nicht zum Schluss auf eine klinische Wirkung.

In den Dosen eines Pflanzendrinks können Gummis bei empfindlichen Personen Blähungen auslösen, wie jede lösliche Nahrungsfaser. Ein Toxizitätssignal ist das nicht.

Lecithin und Emulgatoren

Lecithin (E322) ist eine Mischung von Phospholipiden, meist aus Soja oder Sonnenblume gewonnen. Seine Aufgabe ist es, Fett- und Wasserphase eines Getränks zusammenzuhalten, das sich sonst trennt.

In der randomisierten Studie von 2026 gehörte Sojalecithin zu den fünf geprüften Substanzen und fiel durch keinerlei entzündliche oder metabolische Wirkung auf. Aus einem anderen Grund bleibt es dennoch relevant: Wer auf Soja allergisch ist, muss es erkennen. Hier hilft das Recht, denn die Verordnung betreffend die Information über Lebensmittel verlangt, dass allergieauslösende Zutaten stets angegeben und nach ihrem Artikel 11 durch Schriftart, Schriftstil oder Hintergrundfarbe hervorgehoben werden.

Carboxymethylcellulose und Polysorbat 80, die beiden Emulgatoren hinter dem Grossteil der Mikrobiomliteratur, kommen in alltäglichen Pflanzendrinks tatsächlich selten vor. Sie dominieren die Forschung, weil sie anderswo eingesetzt werden, in Speiseeis, Saucen und vielen hochverarbeiteten Produkten. Diese Befunde direkt auf eine Packung Haferdrink zu übertragen heisst, mitten in der Argumentation das Produkt zu wechseln.

Was die Zutatenliste wirklich verrät

Ein paar Schweizer Regeln machen die Etikette lesbarer, als sie wirkt.

Die Zutaten stehen in absteigender Gewichtsreihenfolge. Bei einem Haferdrink steht daher Wasser zuoberst, gefolgt vom Hafer, dessen Anteil oft deklariert ist. Dieser Prozentsatz ist weit aufschlussreicher als das Vorhandensein von Gellan: Ein Getränk mit 15 % Hafer und eines mit 6 % ergeben nicht dasselbe Produkt.

Zusatzstoffe müssen mit der Funktionsklasse und anschliessend dem Namen oder der E-Nummer bezeichnet werden. «Stabilisator: Gellan» und «Stabilisator: E418» bezeichnen exakt dasselbe; die Nummer ist kein Zeichen chemischer Synthese, sondern eine Kennung.

Aromen müssen als solche deklariert werden. Die Angabe «natürliches Aroma» hat eine rechtliche Definition und bedeutet nicht, dass keine Verarbeitung stattfand.

Die Nährwertdeklaration nennt Vitamine und Mineralstoffe nur, wenn sie in signifikanter Menge vorliegen. Für Getränke liegt diese Schwelle bei 7,5 % des Bezugswerts pro 100 ml, gegenüber 15 % bei anderen Lebensmitteln. Praktisch heisst das 60 mg Calcium, 0,19 µg B12 oder 11,25 µg Jod pro 100 ml. Genau darum steht auf keiner dieser Packungen Jod: Bei 1,3 oder 0,4 µg pro 100 ml ist man weit unter der Schwelle, und das Gesetz verlangt keine Deklaration dessen, was fehlt.

Der praktisch nützlichste Punkt ist daher das Gegenteil des üblichen Reflexes. Eine kurze Zutatenliste ist kein Beleg für ernährungsphysiologische Qualität: Ein Mandeldrink nature ohne Zusatzstoffe liefert 2,2 g Protein und 24 mg Calcium pro Glas, ein angereicherter Sojadrink mit zwei Stabilisatoren dagegen 7,2 g und 240 mg.

Zucker: hier gibt es wirklich eine Wahl

Der Zucker ist der einzige Posten der Etikette, bei dem regelmässig ein grosser Unterschied entsteht, und er ist keine Frage der Zusatzstoffe.

Ein Haferdrink nature enthält 7,2 g Zucker pro Glas von 2 dl, ohne dass ein Gramm zugesetzt wurde. Dieser Zucker stammt aus der enzymatischen Hydrolyse der Haferstärke während der Herstellung, die diesen Getränken ihre charakteristische Süsse verleiht. Vollmilch enthält 9,2 g in Form von Laktose. Sojadrink nature enthält 2,8 g.

Der Unterschied entsteht bei den aromatisierten Varianten. Soja mit Schokolade steigt auf 16,6 g Zucker pro Glas, das Sechsfache der Naturvariante, bei 152 kcal gegenüber 80. Das ist der Abstand, der zählt, und er steht in der Nährwerttabelle, nicht in der Zusatzstoffliste.

Süssstoffe sind in einfachen Pflanzendrinks selten und in den sogenannten leichten Varianten häufiger. Sie unterliegen der Bewilligungspflicht und Höchstmengen.

Der Herstellungsweg erklärt diesen Zucker genauer, als es die Nährwerttabelle tut. Hafer besteht zu einem grossen Teil aus Stärke, einem geschmacksneutralen Vielfachzucker. Bei der Produktion werden Amylasen zugesetzt, Enzyme, die diese Stärke in kürzere Ketten und bis hin zu Maltose zerlegen. Erst dieser Abbau macht das Getränk dünnflüssig und süss; ohne ihn ergäbe Hafer in Wasser eine dickliche, fade Masse. Die 7,2 g Zucker pro Glas sind also kein Zusatz, sondern das Ergebnis eines Verfahrensschritts, und je weiter dieser getrieben wird, desto süsser und dünner wird das Produkt.

Rechtlich zählt dieser Zucker dennoch als Zucker: Die Nährwertdeklaration unterscheidet nicht zwischen zugesetztem und im Prozess entstandenem Zucker, sondern weist die Gesamtmenge aus. Ein Haferdrink ohne Zuckerzusatz kann darum mehr Zucker enthalten als ein Sojadrink, dem tatsächlich etwas zugesetzt wurde. Wer die Zuckerzeile liest, vergleicht deshalb sinnvollerweise innerhalb derselben Rohstoffgruppe.

Für die Blutzuckerantwort ist das nicht bedeutungslos. Maltose wird rasch aufgenommen, und ein Haferdrink enthält kaum Protein oder Nahrungsfasern, die diese Aufnahme bremsen würden: 1,0 g Protein und praktisch keine Fasern pro Glas. Ein Sojadrink mit 7,2 g Protein und 2,8 g Zucker verhält sich in dieser Hinsicht anders. Für die meisten Menschen ist das im Rahmen einer Mahlzeit unerheblich; wer den Blutzucker im Blick behalten muss, hat hier einen konkreten Unterscheidungsgrund, der nichts mit Zusatzstoffen zu tun hat.

Was Anreicherung auf Ebene einer ganzen Ernährung bewirkt

Eine 2026 in Food Science and Nutrition publizierte Modellierungsanalyse führt über das einzelne Glas hinaus. Sie stützt sich auf die deutsche DONALD-Kohorte mit 7676 gewogenen Dreitagesprotokollen von 1072 Teilnehmenden im Alter von 3 bis 18 Jahren und simuliert den schrittweisen Ersatz von Milchprodukten durch pflanzliche Alternativen.

Die Ergebnisse sind aufschlussreich. Die Proteinzufuhr übertraf die Referenzwerte auf jeder Ersatzstufe, wobei der Rückgang bei Soja geringer ausfiel als bei Hafer. Vitamin B2 fiel ab 50 % Substitution unter den Referenzwert, Vitamin B12 ab 75 %. Nur bei vollständigem Ersatz durch angereicherte Produkte erreichten die medianen Zufuhren von B2 und B12 die Referenzwerte wieder. Calcium sank signifikant und blieb auf allen Ersatzstufen deutlich unter dem Referenzwert. Eisen dagegen stieg und erreichte bei 100 % Substitution beinahe den Referenzwert. Treibhausgasemissionen und Flächenverbrauch sanken mit zunehmender Substitution signifikant.

Zwei Lehren folgen daraus. Die Anreicherung ist kein Marketingdetail, sondern entscheidet darüber, ob ein Ersatz ernährungsphysiologisch aufgeht. Und sie allein genügte in dieser Population beim Calcium nicht, was daran erinnert, dass Milchprodukte nicht die einzige betroffene Quelle waren.

Die Studie betrifft deutsche Kinder und Jugendliche, mit Essgewohnheiten und einem Anreicherungsniveau der Produkte, die nicht jene der Schweiz sind. Sie zeigt eine Richtung, keinen übertragbaren Wert.

Einkaufen in der Schweiz

Im Schweizer Detailhandel entscheiden ein paar konkrete Punkte über die Wahl. Die Bezeichnung «Milch» ist rechtlich dem Erzeugnis aus der Milchdrüse vorbehalten, weshalb diese Produkte als Sojadrink, Haferdrink oder Getränk auf Sojabasis in den Regalen stehen. Die Wortwahl auf der Packung sagt daher nichts über die Qualität aus, sie folgt der Vorschrift.

Angereicherte und nicht angereicherte Varianten desselben Produkts stehen oft nebeneinander im gleichen Gestell und unterscheiden sich äusserlich kaum. Der Unterschied steht in der Nährwerttabelle: Erscheinen dort Calcium, Vitamin B12, Vitamin D oder Riboflavin, ist das Produkt angereichert; fehlen diese Zeilen, ist es das nicht. Bei Bio-Produkten ist die Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen deutlich seltener, weshalb ein Bio-Sojadrink oft weniger Calcium liefert als ein konventioneller angereicherter.

Der Hafer- oder Sojaanteil in Prozent lohnt einen Blick, weil er zwischen den Preislagen stärker variiert als die Zusatzstoffliste. Und wer Milch vollständig ersetzt, sollte die Jodquelle anderweitig sichern; in der Schweiz ist jodiertes Speisesalz dafür die naheliegendste Möglichkeit.

Was die Anreicherung technisch verlangt

Dass Calcium überhaupt angereichert werden kann, ist weniger selbstverständlich, als die Tabelle vermuten lässt, und erklärt einen Teil der Zusatzstoffe.

Calciumcarbonat, die gebräuchlichste Form, löst sich in Wasser praktisch nicht. Es liegt als feiner Feststoff in der Flüssigkeit vor und sinkt der Schwerkraft folgend ab. Genau hier setzt Gellan an: Es bildet ein schwaches Gel, das die Partikel in der Schwebe hält, ohne das Getränk merklich zu verdicken. Ein angereichertes Getränk ohne Stabilisator wäre kein besseres Produkt, sondern ein Produkt, bei dem das erste Glas aus der Packung zu wenig und das letzte zu viel Calcium enthielte.

Bei den Vitaminen stellt sich ein anderes Problem. Vitamin D ist fettlöslich und Riboflavin ist ausgesprochen lichtempfindlich, weshalb diese Getränke in undurchsichtigen Kartons und nicht in Klarglasflaschen verkauft werden. Die Verpackung ist damit Teil der Anreicherung, nicht bloss ein Behälter.

Die Wärmebehandlung schliesslich erklärt, warum diese Produkte ungekühlt monatelang haltbar sind. Die UHT-Behandlung erhitzt kurz auf über 135 Grad und macht das Getränk mikrobiologisch stabil, ohne dass ein Konservierungsmittel nötig wäre. Wer in der Zutatenliste eines haltbaren Pflanzendrinks nach Konservierungsmitteln sucht, findet in aller Regel keine: Die Haltbarkeit stammt aus dem Verfahren, nicht aus einem Zusatzstoff. Nach dem Öffnen gilt das nicht mehr, weshalb auf der Packung eine Verbrauchsfrist im Kühlschrank steht.

Wer diesen Aufwand umgehen will, kann pflanzliche Milch selber machen; der Preis dafür sind die fehlende Anreicherung und wenige Tage Haltbarkeit statt mehrerer Monate.

Häufige Fehler

Ein Produkt an der Länge seiner Zutatenliste messen. Das kürzeste Produkt kann das ärmste sein. Angereicherter Soja mit zwei Stabilisatoren schlägt Mandel nature ohne Zusatzstoffe bei Calcium und Protein.

Die E-Nummer als Zeichen der Synthese lesen. E410 ist Johannisbrotkernmehl, E407 stammt aus Rotalgen. Die Nummer kennzeichnet, sie bewertet nicht.

Studien zu Carboxymethylcellulose auf Pflanzendrinks übertragen. Diese Emulgatoren dominieren die Literatur, weil sie anderswo stecken, in Speiseeis und Saucen.

Angereichert mit gleichwertig zu Milch verwechseln. Bei Calcium, B12, Vitamin D und Riboflavin ja. Beim Jod oft nicht, und beim Protein hängt es ganz vom Rohstoff ab.

Einen Reisdrink als Hauptersatz für Milch bei einem Kind wählen. Mit 0,4 g Protein pro Glas ist er kein ernährungsphysiologisches Äquivalent.

Sich auf Zusatzstoffe konzentrieren und die Zuckerzeile übersehen. Der Abstand zwischen nature und aromatisiert, beim Soja das Sechsfache, ist der einzige wirklich grosse Abstand der Etikette.

Anpassen an Ihre Situation

Sie ersetzen Milch vollständig. Nehmen Sie angereicherten Sojadrink: Er ist der einzige Rohstoff, der beim Protein und, einmal angereichert, beim Calcium und bei B12 mithält. Achten Sie separat auf das Jod, da diese Quelle wegfällt.

Sie verwenden einen Pflanzendrink im Kaffee. Die Anreicherung fällt bei dieser Menge kaum ins Gewicht. Barista-Varianten enthalten oft Säureregulatoren, typischerweise Phosphate, damit das Getränk im heissen Kaffee nicht ausflockt. Das ist eine legitime technische Verwendung.

Sie haben einen empfindlichen Darm oder ein Reizdarmsyndrom. Carrageen ist angesichts des Permeabilitätssignals der Studie von 2026 als Erstes wegzulassen. Auch Gummis können blähen, wie jede lösliche Nahrungsfaser; lassen Sie sie einzeln weg statt alle auf einmal.

Sie sind allergisch auf Soja. Sojalecithin muss in der Zutatenliste hervorgehoben sein. Achten Sie auch auf Spurenhinweise, die auf Mandel- und Kokosdrinks deutlich häufiger sind als auf Hafer- oder Sojadrinks. Für die übrige Ernährung zeigt die Seite zum Kochen ohne Soja die Alternativen.

Sie ernähren ein Kind. Die Vorbehalte der Behörden zu Carrageen betreffen ausdrücklich Säuglingsnahrung. Ein Pflanzendrink ist ohnehin keine Säuglingsnahrung, und die Wahl gehört in eine ärztliche Beratung.

Grenzen dieser Seite

Die Zusammensetzungswerte stammen aus der Schweizer Nährwertdatenbank und sind Mittelwerte generischer Produkte. Ein konkretes Produkt kann deutlich abweichen, und genau das ist die Botschaft der Arbeiten zur Marktvariabilität: Eine 2026 publizierte Analyse von 68 Getränken des ecuadorianischen Marktes fand Anreicherungskonzentrationen, die jenen der Kuhmilch häufig nicht entsprachen, mit grosser Streuung selbst bei gleichem Rohstoff.

Die randomisierte Studie von 2026 umfasst 60 gesunde Erwachsene über vier Wochen. Die Autorinnen und Autoren bezeichnen sie selbst als explorativ. Sie sagt nichts über eine Exposition über Jahre und nichts über Menschen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung. Die Arbeiten zu Carrageen allein beruhen auf Zellkulturen und Gut-on-a-Chip-Modellen. Die DONALD-Modellierung betrifft deutsche Kinder und Jugendliche.

Die Deklarationsschwellen und Kennzeichnungsregeln entsprechen dem Schweizer Recht per 1. Juli 2025. Keine Angabe dieser Seite ist eine medizinische Beratung.

Häufige Fragen

Sind die Zusatzstoffe in Pflanzendrinks gefährlich? Die vollständigste verfügbare kontrollierte Studie fand nach vier Wochen bei gesunden Erwachsenen keine Wirkung auf Darm- oder systemische Entzündung und auf Stoffwechselmarker. Gemessen wurden hingegen tiefere kurzkettige Fettsäuren und eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms.

Soll man Carrageen meiden? Es ist der Zusatzstoff mit der dicksten Akte, mit erhöhter transzellulärer Permeabilität in der Humanstudie (P = ,04) und dosisabhängiger Zytotoxizität an Zellen. Der Verzicht kostet ernährungsphysiologisch nichts. Die Behörden stufen es in Lebensmitteldosen als sicher ein.

Ist Gellan chemisch? Es wird durch bakterielle Fermentation gewonnen, wie Essig oder Joghurt. Es ist ein Polysaccharid, chemisch gesehen also eine lösliche Nahrungsfaser.

Ist ein Getränk ohne Zusatzstoffe besser? Ernährungsphysiologisch nicht. Ohne Stabilisator setzt sich zugesetztes Calcium ab, was die Anreicherung ungleich macht. Ein Getränk nature ohne Zusatzstoffe ist schlicht ein nicht angereichertes Getränk.

Welcher Pflanzendrink kommt der Milch am nächsten? Angereicherter Soja: 7,2 g Protein und 240 mg Calcium pro Glas, gegenüber 6,4 g und 240 mg bei Milch. Der verbleibende Abstand betrifft das Jod.

Warum steht das Jod nicht auf der Verpackung? Weil zu wenig davon enthalten ist. Die Deklarationsschwelle für ein Getränk liegt bei 7,5 % des Bezugswerts pro 100 ml, also 11,25 µg, und die meisten dieser Getränke liegen bei 0,4 oder 1,3 µg.

Enthalten Haferdrinks Zuckerzusatz? In der Regel nicht. Ihre 7,2 g Zucker pro Glas stammen aus dem enzymatischen Abbau der Haferstärke bei der Herstellung.

Ist selbstgemachte Pflanzenmilch gesünder? Sie enthält weniger Zusatzstoffe und viel weniger Calcium und Vitamin B12, sofern nicht anderweitig ausgeglichen wird. Siehe dazu pflanzliche Milch ohne Maschine sowie die Seiten zu Vitamin B12 und Kalzium ohne Milchprodukte.

Dieselbe Überlegung gilt für die Zusatzstoffe in Fleischersatzprodukten, wo Rohstoff und Salz mehr zählen als die E-Liste, und für die umstritteneren Zusatzstoffe dieser Kategorie.

Quellen